Offener Brief an Bundesminister Faßmann

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Sehr geehrter Herr Bundesminister Faßmann!                 

Graz am, 20.11.2021

Durch Ihre Entscheidung, nicht zu entscheiden, erklären Sie die Pandemiebekämpfung in der Schule zur Privatsache. Das kommt einer staatlichen Bankrotterklärung gleich. Der Staat ist momentan nicht in der Lage oder nicht willens, seine Bürger:innen zu schützen. Wir beobachten diese Entwicklung mit großer Sorge.

Die am Freitag, den 19. November 2021, erlassene Verordnung bezüglich des bundesweiten Schulbetriebs ist nicht nur für uns Lehrer:innen und Pädagog:innen eine ‚Watsch’n‘ ins Gesicht, sondern lässt auch Eltern und Erziehungsberechtigte völlig überfordert und planlos zurück.

Als SLÖ Steiermark fordern wir daher die Aufklärung bzw. Beantwortung folgender Fragen bzw. Feststellungen und bitten inständig um konkrete Lösungen:

  • Erziehungsberechtigte sind ob des hohen Infektionsgeschehens an Schulen (nein, die Zahlen sind entgegen Ihrer Behauptung längst nicht mehr überschaubar) sehr besorgt wegen ihrer Kinder.
  • Viele dieser Kinder sind aufgrund des zu geringen Alters (noch) nicht geimpft.
  • Den Erziehungsberechtigten fehlen Ansprechpartner:innen bezüglich des ‚Zuhausebleibens‘ ihrer Kinder. Wir Lehrer:innen sind nicht befugt, hier Empfehlungen auszusprechen. Das ist Ihr Job, Herr Minister.
  • Den Erziehungsberechtigten ist bewusst, dass Kinder, die zu Hause bleiben, keine Chance auf ein ähnlich gutes Erlernen des Stoffes haben – im Gegensatz zu jenen Schüler:innen, die weiterhin die Schule besuchen. Auch uns Lehrer:innen ist das bewusst.
  • Wir Lehrer:innen sind sehr unsicher bezüglich des Umgangs mit neuem Lernstoff – u.a. wegen der bereits in Punkt (4) genannten Gründe.
  • Die hoch angepriesene Digitalisierungsoffensive, die grundsätzlich eine gute Sache ist, ist nicht nur nicht abgeschlossen, sondern hat an den meisten Schulen noch nicht einmal begonnen, sprich, wir haben – Stand jetzt – einfach keine digitalen Klassenzimmer. Dieser Umstand erschwert und verkompliziert die Arbeit nur weiter.
  • Viele Lehrkräfte haben auch nach 1,5 Jahren Pandemie weder Dienstlaptop noch Diensttablet, weswegen der Lernstoff für die Kinder, die zuhause bleiben, von uns Lehrer:innen oft erst am Nachmittag zur Verfügung gestellt werden kann, wenn auch wir nach einem langen Arbeitstag wieder daheim angekommen sind.
  • Wie soll man in Fächern, in denen an vielen Schulen keine Bücher verwendet werden (BO, Informatik, ECDL, EH, Werken, Sport), mit der Situation umgehen?
  • Die Auswertung der PCR-Tests ist aus zeitlichen Gründen eine Katastrophe: Viele positive Ergebnisse kommen erst nach 2-3 Tagen. Somit sitzen die positiv getesteten Kinder weiterhin in der Schule und tragen maßgeblich zur Verbreitung von COVID-19 bei. Bei so langen Wartezeiten helfen uns die schulischen PCR-Testungen bei der Eindämmung der Pandemie in dem für uns möglichen Bereich keineswegs weiter.
  • Aus den im vorangegangen Punkt erläuterten Gründen ist es dementsprechend auch für viele Lehrkräfte (vor allem ältere und vorerkrankte) eine Zumutung, in Klassen mit 1-2 positiv getesteten Schüler:innen zu unterrichten, zumal sich die Dunkelziffer über nur eine Woche hinweg vervielfachen kann.

Die genannten Schwierigkeiten und Probleme sind keine absurden Befürchtungen, sondern Tatsachen, die den schulischen Alltag der letzten Wochen und Monate realitätsnah abbilden, Herr Bundesminister. Wir ersuchen Sie daher höflichst um dringende Intervention!

Für den Vorstand und Fragen

Mag. Bernhard Weninger

Landesvorsitzender SLÖ Steiermark 

Tel.: +43 664 1640585
Email: 
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www.sloe-steiermark.at